Dienstag, 21. Januar 2014

Warum?

(ein Gastbeitrag von Tina)

Du durftest meinen Körper sehen, anfassen, benutzen. Ich habe ihn dir überlassen für ein paar wirklich kleine Scheinchen Papier.

Du hast ihn genommen und getan was vereinbart wurde.

Das ist viel, aber es ist okay. Es war vereinbart, ich war einverstanden, Du hattest das Recht dazu und hast es genutzt.

Und Du warst zufrieden, das war zu spüren, auch ohne das Du es gesagt hättest.

Warum war das nicht genug? Warum das Messer? Was habe ich dir angetan?

Du hast nun meine ganzen Tageseinnahmen und vielleicht bist Du enttäuscht, weil es nicht soviel ist, wie Du gedacht hattest. Vielleicht ist es auch völlig egal, denn arm wirktest Du nicht.

Meine Tochter und ich werden heute eben essen müssen, was zufällig noch im Kühlschrank ist. Damit kommen wir klar, das ist nicht das erste Mal.

Aber ich werde nun immer diese Todesangst spüren, wenn ich wieder zu jemandem in sein Auto steige. Dann werde ich die Dinge tun und geschehen lassen, die vereinbart wurden so tun als wäre alles okay. Aber es ist nicht mehr okay. Nicht seit dir und deinem Messer.

Warum musstest Du das tun?

Samstag, 28. Dezember 2013

Extras

Positiv: 50 Euro extra, weil er "etwas fester zugreifen" durfte

Negativ: Blaue Flecken an Schenkeln und Brüsten, dazu Magenschmerzen

Gefühl: mies

Donnerstag, 26. Dezember 2013

Frohe Weihnachten!

Weihnachten ist dieses Jahr seltsam für mich. Irgendwie bin ich gar nicht in der richtigen Stimmung, wahrscheinlich auch weil das Wetter überhaupt nicht danach ist. Außerdem gab es dieses Jahr eine Premiere, denn das erste Mal arbeite ich während der Feiertage.

In der Vergangenheit hatte ich mir diese Zeit immer freigehalten und mit meinen Eltern verbracht. Das ging in diesem Jahr nicht und es war für mich irgendwie auch spannend, wie es an diesen Tagen läuft. Zum einen sitzen die meisten im Kreise der Lieben und da passt ein Freudenmädchen schlecht dazu. Auf der anderen Seite gibt es auch viele Menschen, für die das eine sehr einsame Zeit ist oder die mit dem ganzen Fest aus verschiedenen Gründen nicht viel am Hut haben.

Um es kurz zu machen, bis jetzt bin ich gut beschäftigt.

Ich möchte mich bei allen bedanken, die mir liebe Grüße geschickt haben und die mir in den Kommentaren, per Mail oder auch per Facebook Mut gemacht haben. Und falls ich es nicht persönlich sagen kann, wünsche ich schon ein frohes und ganz tolles neues Jahr 2014. Alles wird gut.

Mittwoch, 18. September 2013

Update

Tja, nach meinem letzten Beitrag war ich doch etwas überrascht, wie viele das Blog nach wie vor besuchen oder den Feed abonniert haben. Hätte ich ganz ehrlich nicht gedacht. Auch die vorwiegend positive Resonanz hat gut getan.

Was ich ganz klar noch sagen will: Natürlich finde ich Prostitution nicht plötzlich schlecht oder schäme mich dafür. Nein, das ist falsch, wenn das so ankam. Weshalb ich mit der heutigen Situation weniger gut klar komme als früher, ist die Tatsache, dass ich diesen Lebensabschnitt beendet hatte und etwas Neues begonnen habe. Mit diesem Neuen bin ich gescheitert, egal inwiefern ich daran Schuld trage. Deshalb ist die Rückkehr in den alten Lebensabschnitt für mich eine Niederlage. Nicht, weil ich anschaffen gehe.

Vielen Dank auch an die Leute, die mir Hilfe bezüglich der Bank angeboten haben. In der Sache ist bereits ein Anwalt tätig, bei dem ich auch ein gutes Gefühl habe. Was er erreichen kann, ist aber ungewiss und auch wann das mal soweit ist. Es läuft jedenfalls.

Nach meiner Rückkehr auf den Straßenstrich habe ich einige Veränderungen dort festgestellt. Es ist allgemein kühler geworden, die Konkurrenz ist härter und viele alte Bekannte sind verschwunden. Der Zusammenhalt, den es früher gab, ist auch nicht mehr gegeben und damit auch die Unsicherheit gestiegen. Gleichzeitig werde ich auch nicht jünger. Ich muss deshalb länger arbeiten und habe am Ende viel weniger als das früher war. Und ich muss Kompromisse eingehen.

Natürlich ist aber früher nicht alles weiß gewesen und jetzt schwarz. Grauschattierungen gab und gibt es. Nur überwiegt das Dunkle heute etwas.

Was sich nicht geändert hat ist meine Einstellung, dass anschaffen kein Job fürs Leben sein kann. Im Moment ist es relativ alternativlos für mich, aber ich hoffe, dass ich in einem Jahr sagen kann, das Kapitel ist jetzt wirklich geschlossen.

Dienstag, 27. August 2013

Doch offen?

Zuerst mal das Erfreuliche: Ich lebe noch und die Blogsoftware tut es allem Anschein nach auch.

Ich hatte das Blog zugemacht, weil damals ein Abschnitt in meinem Leben beendet war. Ein aufregender, abwechslungsreicher, skurriler und auch gefährlicher Abschnitt.

Um den ging es in diesem Blog und deshalb gab es danach für mich keinen richtigen Grund, es weiterzuführen. Es hätte einfach nicht mehr zu meinem Leben gepasst und umgekehrt.

Und jetzt steht hier wieder was? Hä? Ja, hier steht wieder was. Und das nicht ohne Grund. Mehrere gute Freunde haben mir in letzter Zeit dazu geraten, wieder etwas zu schreiben hier. Und nach gründlichem Nachdenken tue ich das hiermit.

Das Blog kam oft etwas rosarot rüber, auch wenn ich nie Scheuklappen hatte und auch die negativen Aspekte immer wieder angesprochen habe. Aber trotzdem war es so und das lag schlicht daran, dass ich viel Glück hatte und mein Job einfach so war.

In der letzten Zeit lief es nicht so gut für mich. Dank eines Bankberaters, der im Nachhinein alle Klischees eines miesen und halbkriminellen Seelenverkäufers erfüllt, stand ich Anfang des Jahres fast ohne Ersparnisse da und es kam noch ein privater Schicksalsschlag hinzu, der mich aus dem Gleichgewicht riss.

Um zurück zum Thema zu kommen, seit einigen Monaten arbeite ich wieder auf der Straße. Leider ist das kein Vergleich zu früher, es haben sich viele Dinge geändert und das nicht zum Guten. Der Spaß bleibt da sehr auf der Strecke.

Ich war immer ehrlich beim bloggen und das will ich auch weiter sein. Deshalb meine ich, diesen Beitrag einfach schuldig zu sein. Sonst wäre das Blog nicht mehr authentisch, weil es nur die guten Jahre beschreibt und das Ende auslässt.

Ich will nicht jammern, sowas nützt keinem und ich kenne viele, denen es schlechter geht.

Eine Bitte habe ich: Wenn hier noch Kolleginnen mitlesen, die auch auf der Straße arbeiten, würde ich mich sehr, sehr freuen, wenn sie mir schreiben (streetgirl83[at]freenet.de oder via Facebook). Ich habe Fragen, bei denen ihr mir vielleicht helfen könnt.

Ob ich weiter blogge? Das weiß ich noch nicht.

Montag, 2. Januar 2012

Geschlossen?

Wer jetzt angesichts dieser Überschrift denkt, dass dieses Blog geschlossen wäre, der hat recht. Jedenfalls größtenteils.

Viele lesen hier seit Jahren mit und können sich daran erinnern, dass ich meinen Beruf nie solange ausüben wollte, bis mich keiner mehr will oder bis ich keine Chance mehr habe, etwas anderes in meinem Leben zu machen. Imaginär schwebte dabei immer die Zahl 30 vor meinen Augen und auch wenn es bis dahin noch etwa zwei Jahre sind, spüre ich irgendwie, das jetzt der richtige Zeitpunkt für eine Veränderung ist.

In der Konsequenz ist das eine Sache, die mich motiviert und voller Spannung in die Zukunft schauen lässt; die mich aber gleichzeitig auch aus einigen gewohnten Bahnen reißt. Ich habe fast 13 Jahre angeschafft und das meistens gern. Fast mein halbes Leben lang und wenn man die eher unbewusste Zeit des Kindergartenalters etc. abzieht, dann ist es sogar mehr als die Hälfte. Und jetzt ist Schluss? Fast.

Schluss ist mit dem Schalten von Anzeigen und dem Sex mit Unbekannten. Weiterhin besuchen werde ich bis auf weiteres ein paar Stammfreier. Stammfreier bedeutet dabei wirklich über Jahre hinweg und nicht nur "zwei- dreimal gebucht in den letzten Monaten". Ich werde keine Kompromisse mehr eingehen bei Wünschen, die ich nicht erfüllen möchte und auch der finanzielle Aspekt hat nur noch eine nebensächliche Bedeutung.

Für das Blog bedeutet das mehr oder weniger das Aus. Mehr, weil es um den "Alltag eines Freudenmädchens" geht und nicht um den einer Studentin. Weniger, weil ich nach wie vor bereit bin, Fragen zu beantworten, (Ex-)KollegInnen eine Plattform für Gastbeiträge oder whatever zu bieten und weil ich vielleicht auch als Hobbyhure mal was bloggenswertes erlebe.

Deshalb motte ich das Blog hiermit ein, mache aber nicht völlig dicht. Und erreichbar bin ich nach wie vor per Mail, Facebook, Blogkommentar oder Formspring.

Ich sage allen Danke, die hier lesen und kommentieren und wünsche ein tolles neues Jahr mit viel Freude und wenig Kummer.

Eure Melanie

Montag, 3. Oktober 2011

Postbox 40/2011

Hi Streetgirl,

für mich waren die Internet Foren der Einstieg in die Freier Karriere, da ich hier die Erfahrungen der anderen Freier nachlesen konnte. Insbesondere was gut geklappt hat und was nicht. Da sind Hinweise wie "Ist kitzlich" , "sehr empfindlich" , "schnell überreizt" oder "seid lieb zu Ihr" schon wertvoll. Dadurch wurde mir unter anderem die Scheu davor genommen, den ersten Anlauf in eine Terminwohnung zu machen.

Auf meinen eigenen Berichte hin habe ich schon mal den direkten Kommentar von Ihr zurück bekommen "...Mir war nicht bewußt wie ich auf Menschen (Männer) wirke..."

Wie sind Deine Erfahrungen mit den Freier Foren?

Überwiegt da eher die Fantasie (aus der 08/15 Nummer mit Hänger wird die Hochzeitsnacht) oder findet sich auch eine gewisse Sachlichkeit der geschilderten Berichte?


An Freierforen kommt man heutzutage kaum vorbei und ich habe dazu ein sehr differenziertes Verhältnis.

Prinzipiell handelt es sich um eine gute Sache, für beide Seiten. Wer guten Service bietet und sich an Vereinbarungen hält, bekommt dort eine entsprechend gute Bewertung und somit die beste Werbung überhaupt.

Zumindest in einer perfekten Welt wäre das so. Leider fühlen viele Freier sich in der Anonymität dieser Foren sehr enthemmt. Das da die eigenen Leistungen aufgehübscht werden, ist noch das Harmlose daran. In vielen Fällen herrscht aber eine Sprache, die beleidigend wirkt und sehr verächtlich ist. Oft wird, aus welchen Gründen auch immer, nachgetreten und ein Termin, bei dem alles ordentlich lief, zu einem Reinfall gemacht. Besonders oft ist das natürlich der Fall, wenn die Dienstleisterin gewisse Dienste nicht leisten wollte (etwa Verzicht auf Gummis).

Und noch ein Aspekt gefällt mir nicht: In diesen Foren werden gerne Bilder gepostet, natürlich ohne vorher bei der betreffenden Person nachzufragen. Gerade für Frauen, die diesen Job nebenbei ausüben ist das unangenehm. Schlimmer ist es aber, wenn jemand einem Zuhälter entkommen ist und in einer anderen Stadt arbeitet. In den Foren wird nämlich gern bekannt gegeben, wenn eine bekannte Sexworkerin jetzt woanders arbeitet. Auch für Stalker ist das eine sehr nützliche Informationsquelle.

Das sind die Punkte, die mich erheblich stören. Eine ehrliche Bewertung meiner Dienstleistung, gern auch mit Kritik, würde mir hingegen nichts ausmachen.

Montag, 26. September 2011

Postbox 39/2011

Ich weiß du triffst dich nicht mit Lesern aus deinem Blog. Was jedoch wenn dir jemand, der eben dadurch auf dich aufmerksam geworden ist, eine unglaublich große Summe Geld bieten würde für eine gemeinsame nacht? Sagen wir so 50000 €.

Bei Vorauszahlung würde ich ernsthaft drüber nachdenken.

Welche Berufsbezeichnung hörst du am liebsten? Macht es dabei einen Unterschied, ob Kolleginnen voneinander sprechen oder Aussenstehende?

Freudenmädchen, nach wie vor. Viele nennen sich gern auch Sexarbeiter oder Teilzeitgeliebte. Mich persönlich kann aber auch jeder als Nutte, Hure oder was auch immer bezeichnen, das macht mir nichts. Ansonsten sollte man schon auf seine Wortwahl achten, denn viele Kolleginnen sehen das anders. Und natürlich ist es ein Unterschied, wenn eine Kollegin jemand Nutte nennt oder ein Kunde.

Wie lange hast Du überlegt, bevor Du diesen Beruf (dauerhaft) ausgeübt hast? Ist die Arbeit so, wie Du es Dir vorgstellt hast?

So wirklich überlegt habe ich nicht, es hat sich immer irgendwie ergeben und lief so weiter. Tatsächlich vorstellen kann man sich die Arbeit nicht vorher, aber insgesamt habe ich mehr Glück als Pech gehabt und die Entscheidung nicht bereut.

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Der Alltag eines Freudenmädchens

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