Montag, 2. Januar 2012

Geschlossen?

Wer jetzt angesichts dieser Überschrift denkt, dass dieses Blog geschlossen wäre, der hat recht. Jedenfalls größtenteils.

Viele lesen hier seit Jahren mit und können sich daran erinnern, dass ich meinen Beruf nie solange ausüben wollte, bis mich keiner mehr will oder bis ich keine Chance mehr habe, etwas anderes in meinem Leben zu machen. Imaginär schwebte dabei immer die Zahl 30 vor meinen Augen und auch wenn es bis dahin noch etwa zwei Jahre sind, spüre ich irgendwie, das jetzt der richtige Zeitpunkt für eine Veränderung ist.

In der Konsequenz ist das eine Sache, die mich motiviert und voller Spannung in die Zukunft schauen lässt; die mich aber gleichzeitig auch aus einigen gewohnten Bahnen reißt. Ich habe fast 13 Jahre angeschafft und das meistens gern. Fast mein halbes Leben lang und wenn man die eher unbewusste Zeit des Kindergartenalters etc. abzieht, dann ist es sogar mehr als die Hälfte. Und jetzt ist Schluss? Fast.

Schluss ist mit dem Schalten von Anzeigen und dem Sex mit Unbekannten. Weiterhin besuchen werde ich bis auf weiteres ein paar Stammfreier. Stammfreier bedeutet dabei wirklich über Jahre hinweg und nicht nur "zwei- dreimal gebucht in den letzten Monaten". Ich werde keine Kompromisse mehr eingehen bei Wünschen, die ich nicht erfüllen möchte und auch der finanzielle Aspekt hat nur noch eine nebensächliche Bedeutung.

Für das Blog bedeutet das mehr oder weniger das Aus. Mehr, weil es um den "Alltag eines Freudenmädchens" geht und nicht um den einer Studentin. Weniger, weil ich nach wie vor bereit bin, Fragen zu beantworten, (Ex-)KollegInnen eine Plattform für Gastbeiträge oder whatever zu bieten und weil ich vielleicht auch als Hobbyhure mal was bloggenswertes erlebe.

Deshalb motte ich das Blog hiermit ein, mache aber nicht völlig dicht. Und erreichbar bin ich nach wie vor per Mail, Facebook, Blogkommentar oder Formspring.

Ich sage allen Danke, die hier lesen und kommentieren und wünsche ein tolles neues Jahr mit viel Freude und wenig Kummer.

Eure Melanie

Montag, 3. Oktober 2011

Postbox 40/2011

Hi Streetgirl,

für mich waren die Internet Foren der Einstieg in die Freier Karriere, da ich hier die Erfahrungen der anderen Freier nachlesen konnte. Insbesondere was gut geklappt hat und was nicht. Da sind Hinweise wie "Ist kitzlich" , "sehr empfindlich" , "schnell überreizt" oder "seid lieb zu Ihr" schon wertvoll. Dadurch wurde mir unter anderem die Scheu davor genommen, den ersten Anlauf in eine Terminwohnung zu machen.

Auf meinen eigenen Berichte hin habe ich schon mal den direkten Kommentar von Ihr zurück bekommen "...Mir war nicht bewußt wie ich auf Menschen (Männer) wirke..."

Wie sind Deine Erfahrungen mit den Freier Foren?

Überwiegt da eher die Fantasie (aus der 08/15 Nummer mit Hänger wird die Hochzeitsnacht) oder findet sich auch eine gewisse Sachlichkeit der geschilderten Berichte?


An Freierforen kommt man heutzutage kaum vorbei und ich habe dazu ein sehr differenziertes Verhältnis.

Prinzipiell handelt es sich um eine gute Sache, für beide Seiten. Wer guten Service bietet und sich an Vereinbarungen hält, bekommt dort eine entsprechend gute Bewertung und somit die beste Werbung überhaupt.

Zumindest in einer perfekten Welt wäre das so. Leider fühlen viele Freier sich in der Anonymität dieser Foren sehr enthemmt. Das da die eigenen Leistungen aufgehübscht werden, ist noch das Harmlose daran. In vielen Fällen herrscht aber eine Sprache, die beleidigend wirkt und sehr verächtlich ist. Oft wird, aus welchen Gründen auch immer, nachgetreten und ein Termin, bei dem alles ordentlich lief, zu einem Reinfall gemacht. Besonders oft ist das natürlich der Fall, wenn die Dienstleisterin gewisse Dienste nicht leisten wollte (etwa Verzicht auf Gummis).

Und noch ein Aspekt gefällt mir nicht: In diesen Foren werden gerne Bilder gepostet, natürlich ohne vorher bei der betreffenden Person nachzufragen. Gerade für Frauen, die diesen Job nebenbei ausüben ist das unangenehm. Schlimmer ist es aber, wenn jemand einem Zuhälter entkommen ist und in einer anderen Stadt arbeitet. In den Foren wird nämlich gern bekannt gegeben, wenn eine bekannte Sexworkerin jetzt woanders arbeitet. Auch für Stalker ist das eine sehr nützliche Informationsquelle.

Das sind die Punkte, die mich erheblich stören. Eine ehrliche Bewertung meiner Dienstleistung, gern auch mit Kritik, würde mir hingegen nichts ausmachen.

Montag, 26. September 2011

Postbox 39/2011

Ich weiß du triffst dich nicht mit Lesern aus deinem Blog. Was jedoch wenn dir jemand, der eben dadurch auf dich aufmerksam geworden ist, eine unglaublich große Summe Geld bieten würde für eine gemeinsame nacht? Sagen wir so 50000 €.

Bei Vorauszahlung würde ich ernsthaft drüber nachdenken.

Welche Berufsbezeichnung hörst du am liebsten? Macht es dabei einen Unterschied, ob Kolleginnen voneinander sprechen oder Aussenstehende?

Freudenmädchen, nach wie vor. Viele nennen sich gern auch Sexarbeiter oder Teilzeitgeliebte. Mich persönlich kann aber auch jeder als Nutte, Hure oder was auch immer bezeichnen, das macht mir nichts. Ansonsten sollte man schon auf seine Wortwahl achten, denn viele Kolleginnen sehen das anders. Und natürlich ist es ein Unterschied, wenn eine Kollegin jemand Nutte nennt oder ein Kunde.

Wie lange hast Du überlegt, bevor Du diesen Beruf (dauerhaft) ausgeübt hast? Ist die Arbeit so, wie Du es Dir vorgstellt hast?

So wirklich überlegt habe ich nicht, es hat sich immer irgendwie ergeben und lief so weiter. Tatsächlich vorstellen kann man sich die Arbeit nicht vorher, aber insgesamt habe ich mehr Glück als Pech gehabt und die Entscheidung nicht bereut.

Montag, 19. September 2011

Postbox 38/2011

Bist du bei deiner Arbeit manchmal auch wirklich erregt? Oder spielst du dass, wie die meisten Orgasmen auch vor?
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Du schreibst, dass du beim Sex mit deinen Kunden nicht kommst. Täuscht du dann eigentlich Orgasmen vor, um deinen Kunden das Gefühl von Bestätigung zu geben? Wenn ja, bemerken das deine Kunden manchmal?


Natürlich wird man körperlich stimuliert, gewisse Reaktionen bleiben da nicht aus. Zum Orgasmus kommt es aber quasi nie, weil ich mich nicht so weit fallen lasse, sondern gefühlsmäßig auf einer eher rationalen Ebene bin. Ein wenig Theaterspielen gehört dazu, übertriebenes Gestöhne mögen nach meiner Erfahrung aber auch die Kunden nicht, deshalb lasse ich das. Ein leichtes Stöhnen und Zeigen, dass da ein Mensch und keine Puppe liegt muss sein, aber mehr nicht.

Hat Viagra den job eigentlich anstrengender gemacht? Oder spielt das keine Rolle?

Eigentlich spielt das keine nennenswerte Rolle. Manchmal erleichtert das Ganze, weil grad ältere Kunden eben doch stabiler werden und man nicht die Hälfte der Zeit damit verbringt, das Teil zu massieren und das Ego wieder aufzurichten.

Was denken deine Eltern eigentlich, womit du dein Geld verdienst? Ich meine irgendwas musst du Ihnen ja sagen oder denken die, dass du Arbeitslos bist? Und ist es nicht schwer das ganze Geheim zu halten? lg

Für sie arbeite ich in einer Cocktailbar. Geheimhaltung ist nicht so das Problem, weil wir in unterschiedlichen Städten leben.

Montag, 12. September 2011

Postbox 37/2011

Hast Du schonmal einen Kunden nach Hause geschickt weil er roch oder aus anderen Gründen?

Ich empfange nicht, deshalb kann ich keinen heimschicken, sondern höchstens selbst gehen. Im Normalfall schildere ich in solchen Situationen erstmal die Wonnen einer gemeinsamen Dusche, wenn es sein muss auch ohne Berechnung dieser Zeit. Versteht der Kunde das nicht und stinkt wirklich unerträglich, dann gehe ich tatsächlich. Kommt aber zum Glück nicht so oft vor.

Ist dir auf offener Straße schon einmal einer deiner Kunden begegnet? Wenn ja, wie reagierst du auf so etwas?

Na klar, das ist selbst in der Großstadt unvermeidlich. In solche Situationen lasse ich mir nicht anmerken, dass ich ihn jemals gesehen habe, denn ich weiß ja nie, ob ihn das irgendwie kompromittieren könnte. Wenn er mich anspricht oder grüßt, antworte ich natürlich.

Hi Streetgirl, was hälst Du eigentlich von gesext.de? Schon Erfahrungen gemacht?

Natürlich, ich muss mich immer auf dem laufenden halten über die aktuellen Portale. Gesext mag ich nicht sonderlich, was aber am Prinzip liegt. Ich verkaufe eine Dienstleistung, das ist okay. Als Auktion ist mir das aber unangenehm, da fühle ich mich tatsächlich wie Ware auf dem Markt. Für Gelegenheitsarbeiterinnen oder Leute, denen grade das gefällt (gibt's ja auch) ist es aber sicher okay.

Freitag, 9. September 2011

Jingle Bells

Vorhin habe ich den Weihnachtsmann beschert.

Im Grunde ein ganz normaler Kunde, der auch am Telefon nichts ungewöhnliches von sich gab.

Doch zuhause trug er seine Dienstkleidung in Form von rotem Mantel, Unterhose und falschem Bart, von der er dann auch nur die Unterhose ablegte.

Ein wenig schade fand ich, dass der Weihnachtsbaum künstlich war, aber naja. Die Lebkuchen haben dafür geschmeckt und mir wurde noch versichert, dass ich in diesem Jahr sehr brav war und sicher mit einigen Geschenken rechnen darf.

Ist doch was, oder?

Montag, 5. September 2011

Postbox 36/2011

Wenn du Besuche machst, fangt ihr gleich voll an, oder kommt erst noch Smalltalk o.ä.. Wie läuft der Übergang? Kommt es da nicht öfter zu ruhigen Momenten wo du nicht weißt wie du es mit ihm am besten anfängst?!

Die Regel ist Smalltalk - wie ist das Wetter, hab ich gut hergefunden, ist das Outfit okay... Danach dann frag ich höflich nach dem Geld und wo ich denn hingehen soll. Vielleicht auch erst eine gemeinsame Dusche oder ein Glas Sekt trinken vorher... Ruhige Momente gibt es eigentlich nicht, wenn sie nicht erwünscht sind. Über irgendwas kann ich immer reden, da entwickelt man einfach auch ein Gespür für. Es gibt natürlich auch Kunden, die direkt loslegen und nicht groß reden wollen, das ist dann auch okay.

"Augen zu und durch gilt vielleicht bei zehn Prozent und auch dann sind es eher Dinge wie schlechter Atem oder merkwürdige Ansichten, die etwas Überwindung kosten." Hast du so in einer vorherigen Frage gesagt. Kannst du die nicht einfach ablehnen?

Ich kann jeden ablehnen, aber es ist wie in jedem anderen Job: Zu wählerisch darf man auch nicht sein, zumal es auch Mundpropaganda und Freierforen gibt, wo man schnell ein schlechtes Image bekommen kann. Wegen Mundgeruch oder Machosprüchen lehne ich deshalb sicher keinen ab.

Warum willst du anonym bleiben?

Weil ich sonst nicht mehr offen und unabhängig bloggen könnte.

Montag, 29. August 2011

Postbox 35/2011

Was motiviert dich eigentlich jedes Mal von Neuem, zu einem Kunden zu fahren und dich (auf gut deutsch) vögeln zu lassen? Außer dem Geld natürlich.


Das Gefühl, etwas in der Welt zum besseren bewegt zu haben, einen Menschen glücklich zu machen und dabei zu wissen, dass mein Körper immer noch begehrt wird. Naja, Blödsinn, natürlich ist das Geld der Hauptgrund, aber ich mag meinen Job einfach auch.

Was für Tage sind das, an denen du vom Kunden nach Hause gehst und denkst: Ich liebe diesen Job.

Die, an denen wirklich etwas dran ist, an meinem ersten Satz eben. Wenn ich spüre, da ist jemand, dem ich was gegeben hab, was mehr als Triebabbau war, wenn er mir sympatisch war und wir gemeinsam lachen konnten. Kleinigkeiten, aber entscheidende.

Macht Sex auf Wasserbetten wirklich mehr Spaß? Ist das erregender?

Ich hasse Wasserbetten, ehrlich gesagt. Eine harte Matratze ist die beste Grundlage.

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