Heute war ich mit der Straßenbahn unterwegs. Soweit nichts ungewöhnliches, aber sicher kennt ihr das: Ihr sitzt da und mustert ein wenig die anderen Fahrgäste und dann bleibt der Blick bei jemandem hängen, der irgendwie vertraut wirkt, den man aber absolut nicht einordnen kann. So ging es mir mit einem Mann, der mir gegenüber saß und in ein Buch vertieft war. Ich kannte ihn, definitiv, aber woher? Ein Freier war es nicht, da war ich mir sicher.
Immer grüblerischer wurde ich und muss ihn wohl ziemlich angestarrt haben. Dann blickte er auf und es war eindeutig, dass auch er mich kannte. "Mel!" rief er und klappte sein Buch zu. Und in dem Moment erkannte ich ihn auch, konnte mich aber gerade noch beherrschen, um nicht laut "Simone?" zurückzurufen. Ganz leise fragte ich es und Simone erklärte mir, dass sie jetzt nicht mehr Simone und sie sondern Egon und er sei.
Okay, Geschlechtsumwandlungen sind jetzt nichts, was mir völlig neu ist, aber Simone? Die Simone, die zwei Jahre Abend für Abend neben mir auf der Straße stand und mit ihren blonden Locken nie lange warten musste?
Aber sie war es und ist nun er. Und dann ausgerechnet dieser Name, Egon. Leider blieb keine Zeit zum reden, aber wir haben uns für nächste Woche verabredet.
melanie_83 - 2. Jul, 00:04
Da sag noch einer, die Vuvuzelas würden jeden nerven.
Der potenzielle Kunde, den ich gestern am Handy hatte, wollte nichts ungewöhnliches, nur eine Stunde angefüllt mit Standarddiensten. Das ich trotzdem freundlich abgelehnt habe, lag an seinem Wunsch, danach noch ein Erinnerungsfoto von mir zu machen, mit vaginal eingeführter Vuvuzela.
melanie_83 - 14. Jun, 09:06
Gestern abend war ich bei einem Stammkunden. Einer von denen, die ich schon über zehn Jahre kenne und mit denen ich mich stets gut verstand. Doch als wir fertig waren und noch bei einem Glas Wein im Wohnzimmer saßen, meinte er, dass es ihm leid täte, aber das wäre das letzte Mal gewesen, dass er mich bestellt hätte.
Es kam sehr unerwartet, zumal ich mir sicher war, dass mein Service nicht schlechter als sonst war und er auch fit wirkte. Deshalb fragte ich nach, ob ich etwas falsch gemacht habe oder warum er nicht mehr zufrieden ist.
Seine Antwort war, dass alles wie immer wäre, aber er zunehmend ein Problem mit mir hätte. Er sagte, er steht eigentlich auf Teenager. Das ich älter wurde, hat ihm anfangs wenig ausgemacht, zumal die Sympathie einfach da war, aber seit ein, zwei Jahren wirke ich doch zu erwachsen auf ihn und er kann deshalb die Sache nicht mehr richtig genießen.
Tja. Es ist letztlich Business und persönliche Vorlieben und Abneigungen kann man nicht einfach ändern, egal was man davon hält. Er war auch immer fair bis zum Schluss. Trotzdem hat es mich ziemlich getroffen.
melanie_83 - 3. Jun, 15:39
Liebe Lena,
herzlichen Glückwunsch zum Sieg in Oslo! Ich mag Deine Art und ich hoffe, dass Du Dich auch künftig nicht verbiegen lässt!
Aber Dein Sieg hat auch Begleiterscheinungen, an die Du vielleicht noch nicht unbedingt gedacht hast. Eine davon ist, dass bereits seit "Unser Star für Oslo" oft mein Handy klingelt und der Anrufer mich gern buchen würde - aber nur wenn ich "der Typ so wie die Lena" bin. Ich habe den leisen Verdacht, dass sich das in der nächsten Zeit nicht großartig ändern wird.
Deshalb lege doch bei Stefan Raab bitte ein freundliches Wort für mich ein und mache ihm deutlich, wie wichtig Abwechslung ist (es wird ja nie zweimal hintereinander etwas ähnliches zum Sieger beim Eurovision Song Contest gewählt!). Und wenn es im nächsten Jahr keine junge Dame mit langen blonden Haaren und schlankem Körperbau sein kann, dann möge doch bitte ein Mann Deinen Titel verteidigen.
Ich wünsche Dir alles Gute,
Deine Melanie
melanie_83 - 31. Mai, 12:00
Vielen Dank an alle, die auf Ellas Beitrag reagiert haben - sowohl hier im Blog als auch per Mail und ich freue mich, dass auch ganz konkrete Angebote und Hilfestellungen dabei waren. Die Mails habe ich alle an sie weitergeleitet. OB sie auch die Reaktionen hier verfolgt hat, kann ich nicht sagen, denn sie hat sich leider nicht wieder gemeldet. Wenn sie das tun möchte - gerne. Ich finde es positiv, wenn verschiedene Aspekte dieses Berufs aufgezeigt werden. Auch für Gastbeiträge von anderen Kollegen/Kolleginnen/Freiern/Luden räume ich gern ein Eckchen frei hier.
melanie_83 - 31. Mai, 09:55
Manche Sachen gehören einfach zum Job dazu und eine davon ist, dass man nach telefonischer Vereinbarung zum Kunden aufbricht, dort klingelt und dieser dann feststellt, dass man doch nicht sein Typ ist. In dem Fall platzt der Termin ganz einfach und je nach Freundlichkeit des Kunden und Entfernung gibt es noch eine Entschädigung für die Fahrtkosten oder auch nicht. Sowas ist einkalkuliert und kommt halt vor. Nicht jede ist jedermanns Typ.
Doch wenn man zu einem Termin kommt und da bereits fünf nicht sehr gut gelaunte Mädchen stehen, dann sieht das anders aus. Der Herr hatte sich einfach einige Anbieterinnen bestellt, um dann eine zu erwählen und die anderen wieder heimzuschicken. Das kam aber gar nicht gut an und schnell war klar, dass keine so einfach schulterzuckend wieder gehen würde. Man stand im Treppenhaus und die Stimmung wurde zusehends gereizter.
Der ohnehin nicht sehr clevere Herr machte dann schließlich seinen entscheidenden Fehler, als ihm herausrutschte, dass er eigentlich geplant hatte, mit einem der Mädchen in seinen garten zu fahren, da seine Frau bald heimkommen würde.
Nun richtete man es sich natürlich erst recht für eine längere Verweildauer ein. Schließlich kam es dann zu einer Einigung, indem jede anwesende Dame pauschal 100 Euro bekam und das Arreal geräumt wurde. Ein gutes Geschäft sieht anders aus und das für beide Seiten. Zumal er den Fehler machte, auch von zwei größeren Agenturen Gespielinnen zu buchen. Die sind vernetzt und künftig wird er wohl bei einigen Adressen umsonst anrufen.
melanie_83 - 20. Apr, 09:19
Ella hat mir geschrieben und auch, wenn ich ihr nicht völlig zustimme, verstehe ich Ihren Standpunkt. Mit ihrem Einverständnis veröffentliche ich Ihre Mail hier und würde mich dafür interessieren, wie die anderen Leser, vor allem auch aus dem Kollegenkreis das sehen.
Liebe Melanie,
ich habe dein Blog sehr genau gelesen, weil ich genau wie du mit Anschaffen mein Geld verdiene. Ehrlich gesagt weiß ich nicht was ich sagen soll! Du schreibst super und klar, das alles ist sicher so bei dir, aber hey! Schön das es bei dir so super läuft aber irgendwie kommt zu kurz das es absolut nicht immer so ist! Ich bin 19 und schaffe seit drei Jahren an, nämlich seit meine Mutter mich zuhause rausgeschmissen hat und mein Ex mir gesagt hat ich soll was ranschaffen wenn ich bei ihm pennen will. Später kam dann Alk und Drogen und heute steh ich jeden Tag und hab am Ende manchmal nicht genug übrig um was andres als Döner essen zu können. Du schreibst nicht wo du anschaffst, aber ich steh in Berlin, Kurfürstenstraße und ich nehme an das ist dir ein Begriff.
Als du noch an der Straße standest hattest du ne Superzeit und da kam die Polizei und wollte KOchrezepte und irgendwelche Opas mit Dackel sagten jeden Tag Hallo. Toll, super - ich steh halbnackt bei jeder Jahreszeit hier und brauch manchmal von abends um sieben bis nachts um drei um fünf Freier zu haben. Von denen fangen drei dann noch zu handeln an, weil ihnen 20 fürs Blasen zuviel sind und wenn ich auf 15 runtergehe, erwarten sie noch ganz selbstverständlich das sie mich überall betatschen dürfen - und soll ich dir was sagen? Ich mach das auch noch mit, weil für mich die beschissenen 15 Euro ne Menge Geld sind. Außerdem kommen dauernd neue Mädchen die kaum ein Wort deutsch sprechen und absolut alles mitmachen, weil ihre Zuhälter sie im Griff haben und gleichzeitig verschwinden andere von heute auf morgen - und ich sag dir, das sie von irgendwelchen Freiern vergewaltigt werden und dann keinen Bock aufs Anschaffen mehr haben ist mit das Harmloseste, was dahintersteckt! Und vergewaltigt wird jede früher oder später und zumindest was mich angeht nicht nur einmal. Glaub mir, ich könnte dir Storys ohne Ende erzählen.
Warum ich das schreibe, willst du vielleicht wissen. Nicht um dir zu erklären, das es auf dem Strich auch anders laufen kann als in deiner heilen rosa Welt. Ich glaube, du weißt das eh. Aber ich denke das viele Mädchen dein Blog lesen, denken ach wie ist das easy und cool und dann auch anfangen mit dem Anschaffen. Und wenn es dann bei denen nicht so läuft wie bei dir sondern eher wie es bei mir ist, dann ist es meistens zu spät. Und das finde ich ehrlich gesagt scheiße - erzähl deine Erlebnisse aber vermittel nicht immer so ein blödes einseitiges Bild!
Naja, das wars soweit - musste mal raus.
Ella, (heute ganze 46,-- gemacht)
melanie_83 - 9. Mrz, 23:50
Im Normalfall wird am Telefon abgesprochen, was gemacht werden soll und das ist dann auch mehr oder weniger verbindlich. So legte sich meine gepflegte Stirn auch etwas in Falten, als ich die Wohnung des Kunden betrat und er mir eröffnete, das Programm hätte sich geändert und ich solle mal ins Wohnzimmer kommen. Aber okay, ich war einmal da und so unflexibel bin ich ja auch nicht.
Im Wohnzimmer saß bereits eine junge Frau, doch es kam ein wenig anders, als ich spontan vermutet hatte.
Die beiden hatten sich nämlich einige Tage zuvor dramatisch für immer getrennt und als der Leidensdruck im Unterleib zu groß wurde, wählte der einsame Mann meine Nummer und das Ergebnis ist bekannt.
Nach dem Gespräch jedoch klingelte es an seiner Tür und aus der Verwunderung, wie ich so schnell schon da sein konnte, wurde Überraschung, denn da stand die Freundin wieder und wollte die Beziehung wieder reaktivieren. Er wollte das auch recht gern, doch da war ja noch ich.
In vielen Fällen hätte dies dazu geführt, dass die Freundin wieder gehen und ich doch benötigt würde, doch hier einigte man sich darauf, dass es doch nicht schlecht wäre, den Versöhnungsakt vor einer unabhängigen Zeugin durchzuführen.
So saß ich dann bei voller Bezahlung mehr oder weniger interessiert auf einem Sessel neben dem Bett und kann bezeugen, dass die Versöhnung geklappt hat.
melanie_83 - 21. Jan, 09:17
Ich hoffe, Ihr seid alle gut ins neue Jahr gekommen und das bleibt auch so!
Eigentlich schreibt man ja seine Rückmeldung vor dem ersten Artikel des Jahres, aber der Herr mit der Abzocke kam mir dazwischen (super, wenn das Jahr mit solchen Leuten beginnt) und wenn ich schon mal was zum bloggen habe, tue ich das auch :-)
Die Stammleser wissen es, Weihnachten und Silvester arbeite ich nie, sondern verzichte auf die Einnahmen zugunsten der Familie. Zu dieser Zeit brauche ich einfach Kitsch und Weihnachtsbaum und das alles. Dieses Mal war es eine traurige Premiere, denn es war das erste Fest ohne den Vater und da hat man nochmal so richtig gespürt, welche Lücke sich da auftut. Sonst haben wir Abschied genommen und sind darüber hinweg, doch an solchen Tagen, bei denen so viele Rituale plötzlich anders ablaufen, ist es doch schwer. Aber auf der anderen Seite war es auch schön, denn wir haben die besinnlichen Augenblicke genutzt, um an gemeinsame, schöne Erinnerungen zu denken und so war er irgendwie doch bei uns.
Silvester war natürlich nicht besinnlich, sondern wurde für hemmungslos Partymachen zusammen mit sehr alten (also langjährigen) Freundinnen genutzt.
Tja, und jetzt bin ich wieder hier, meine Mitbewohnerin lebt auch noch und der Alltag hat wieder begonnen. Und nach den Feiertagen finde ich das auch ganz angenehm so. Und ich freue mich auf eure Kommentare, Fragen, Mails und sogar auf die Trolle, die mir so kreativ begründen, warum es mich nicht gibt.
Das Jahr wird schön, davon gehe ich einfach mal aus.
melanie_83 - 12. Jan, 16:59