Noch einmal

Es war zwar schon am Samstag, aber ich habe erst heute wieder Zeit zum Bloggen.

Ich war bei einer Adresse, die ich noch nicht kannte. Dabei schwingt ja immer eine gewisse Spannung mit, wer da die Tür öffnen wird und ob die Chemie stimmt. Es öffnete eine Frau in mittleren Jahren. Mütterliche Ausstrahlung könnte man ihre Wirkung nennen. Ich dachte zumindest sofort an frisch gebackenen Apfelkuchen und gemütliches Beisammensein im Familienkreis, als ich sie sah. Sie lächelte freundlich und ein wenig unsicher und bat mich hinein. Im Wohnzimmer wartete bereits ihr Mann, der gut zu ihr passte. In dieser leicht spießigen Behaglichkeit fühle ich mich trotz aller Professionalität immer etwas deplaziert und gehemmt. Egal, ich nahm im Sessel Platz und überlegte schon ein wenig, auf welche Praktiken die beiden wohl stehen mochten.

"Wissen Sie, das ist jetzt ein wenig ungewohnt für uns", fing er an. "Wie ich es sagen soll, weiß ich nicht recht und ich verstehe gut, wenn Sie ablehnen und wieder gehen möchten."

Naja, meist sind die "ausgefallenen" Wünsche genau das, was ich als Standardrepertoire bezeichnen würde und alles andere als problematisch. So lächelte ich ein wenig und ermunterte ihn, einfach zu sagen, was er möchte ohne sich Gedanken um mein moralisches Empfinden zu machen.

"Tja, also, es ist mein Vater. Er wird den Mai wohl nicht mehr erleben und wir versuchen, ihm die letzten Tage so angenehm wie möglich zu machen."

An dieser Stelle muss ich etwas zweifelnd geschaut haben. Der Mann liegt im Sterben und soll noch diese Energie aufbringen? Zweifellos eine sehr gutgemeinte Sache, aber in der Praxis wohl mehr als untauglich.

Er hatte den Gedankengang wohl erraten und beeilte sich, zu sagen, dass er nicht an Sex dachte. Ich solle mich dem alten Mann nur ein wenig zeigen und eine Weile in seinem Zimmer bleiben.

Ich habe zwar etwas Scheu vor so alten Menschen, insbesondere in dieser Situation. Es ist wie im Krankenhaus, die Atmosphäre ist nicht die angenehmste und der Geruch nach Medikamenten und Krankheit ist auch nicht so verlockend. Andererseits habe ich mein Geld auch schon schwerer verdient.

So besuchte ich den Mann also in seinem Zimmer, zog mich aus und ließ seine Blicke eine halbe Stunde lang über meinen Körper gleiten. Als ich mich wieder anzog und zum Gehen wandte, winkte er mich zu sich und gab mir einen schwachen Kuss auf die Wange.

Von seinem Sohn und dessen Frau verabschiedete ich mich dann recht schnell, denn mir war plötzlich nach Weinen zumute. Ich bin hoffentlich nie in der Situation, in einem Pflegebett auf mein Ende warten zu müssen, aber wenn, dann habe ich hoffentlich solche Leute um mich, wie dieser Mann.

Name

Url

Meine Eingaben merken?

Titel:

Text:


JCaptcha - du musst dieses Bild lesen können, um das Formular abschicken zu können
Neues Bild

 

Neues vom Streetgirl

Der Alltag eines Freudenmädchens

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Aktuelle Beiträge

@Louffi: *wink* Also...
@Louffi: *wink* Also der Schäuble, ob der als...
Riffer - 11. Mai, 22:36
Erwachsen
Also ich finde das ne gute Sache, dass es Leute gibt...
Celdred (anonym) - 11. Mai, 14:58
Kichern oder Lachen,...
Das Stöhnen kommt ja im allgemeinen davon, das...
Motoroboot Verleih Hopp (anonym) - 9. Mai, 20:10
Nochmal ich: der Herr...
Nochmal ich: der Herr Schäuble würde sich...
Louffi (anonym) - 9. Mai, 10:36
Klasse!
Kann mir lebhaft vorstellen, wie du an der Haltestellte...
Louffi (anonym) - 9. Mai, 10:35

Schreib mir was

Du hast Fragen? Du möchtest etwas mitteilen, aber nicht die Kommentar-Funktion nutzen? Etwas funktioniert nicht so, wie es soll im Blog? Dann: Mail mir! streetgirl83[ätt]freenet.de

Suche

 

Status

Online seit 301 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 11. Mai, 22:36

Credits

Knallgrau New Media Solutions - Web Agentur f�r neue Medien

powered by Antville powered by Helma


xml version of this page
xml version of this page (with comments)

twoday.net AGB

RSS Box

Technorati & Co.

Free Text (3)


Allgemeines
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren