Donnerstag, 9. Oktober 2008

Eine Frage

Heute habe ich mal eine Frage an euch. Ich bin sicher ein wenig betriebsblind und habe daher manchmal einen verzerrten Blick auf die Wirklichkeit.

Kann es sein, dass sich etwas grundlegendes in der allgemeinen Beziehung zwischen Mann und Frau geändert hat? Wenn ich zurück denke vor zehn Jahren (davor hatte ich Interessen, die sich eher um Puppen und Rennautos drehten), dann war es so, dass da SM, Gangbangs usw. durchaus stattfanden, aber das es eher eine Ausnahme von der Regel war, etwas für phantasievollere Leute oft.

Heute scheint das für viele ganz normal zum sexuellen Alltag dazuzugehören, was ich nicht schlimm finde, aber die Umsetzung oft schon. Ich habe in den letzten beiden Jahren eine ganze Reihe von Mädchen und Frauen kennengelernt, die für kürzere oder längere Zeit anschaffen gingen, weil ihr Meister das befohlen hat und denen man anmerkte, dass sie es nicht unbedingt angenehm fanden. Für mich ist das Zuhälterei und der Freund, der eine eingeschüchterte 16jährige auf die Straße schickt, ist für mich alles, aber eben kein Freund.

Lieg ich falsch mit meinen Eindrücken?

Trackback URL:
http://streetgirl.twoday.net/stories/5243940/modTrackback

Tom (Gast) - 9. Okt, 01:52

Das liegt meiner Meinung nach am Internet,heutzutage kann jeder in den eigenen 4 Wänden seinen Leidenschaften frönen, mit einem (falschen) Gefühl der Unbeobachtbarkeit und Anonymität. Früher mußte man irgendwie in die Öffentlichkeit treten um sich entsprechendes Inspirationsmaterial zu beschaffen.

Welche Auswirkungen das auf die sexuelle Verwahrlosung der Jugendlichen in bestimmen Schichten bedeutet, lies man ja immer wieder. Mal sehen wie die Pubertät für meinen Nachwuchs abläuft.

Wenn Frauen so etwas "aus Liebe" (und nicht Überzeugung) mitmachen, deutet das für mich auf eine unreife (und naive) Persönlichkeitsstruktur hin. Aber wenn frau Zweifel hat zeigt mann ein paar Filmchen, wo es die "vielen Anderen" ja genauso machen...

asdrubael (Gast) - 9. Okt, 08:53

Zu dem Thema sexuelle Verwarlosung gab es im Stern vor einiger Zeit eine sehr interessante Artikelreihe namens "Generation Porno":
http://www.stern.de/politik/panorama/:Debatte-/581616.html?q=generation%20porno
http://www.stern.de/tv/sterntv/:Generation-Porno-Je-Sex,/639443.html

Klassische Pornos sind so gut wie alle mehr oder weniger frauenverachtend und das scheint entsprechend auf die Gesellschaft abzufärben. Auch interessant:
http://zmag.de/artikel/Man-ist-was-man-isst-die-allgegenwaertige-Porno-Industrie-und-was-sie-ueber-dich-und-deine-Sehnsuechte-aussagt/?searchterm=porno
Scrat (Gast) - 9. Okt, 18:33

Zuerst bei SM gibt es zwischen Partner KLAR definierte Regeln die NICHT verletzt werden.

Ich glaube schon, dass es heutzutage mehr Anhänger dieser Richtung gibt als früher. Dies mag nun an der "Übersexualisierung" (ich mag das Wort nicht...) liegen, kann aber auch andere Ursachen wie der Enttabuisierung liegen, oder ganz andere Gründe haben....
Auf jeden Fall wird gerade durch das Internet oft der Eindruck erweckt, dass viele "extravagante" Praktiken nun öfter angewendet werden. (Internet macht halt die Welt zum Dorf)

Ich meine jedoch, dass durch die sexuelle Revolution der Frau nach der immer mal wiederkehrenden Unterdrückung der Frau, diese wieder viel offener mit ihrer Sexualität umgehen.
Das will heißen heute stehen sie zu ihren Wünschen und müssen keine Angst haben verbrannt zu werden....
Daraus resultiert dann eine Experimentierfreudigkeit in diversen Richtungen.
Also BDSM, One Night Stands, Gangbangs, Dreier,.... alles was für einen Mann früher erklärtes Ziel war und wofür man neidische Blicke anderer bekam, ist nun auch für Frauen zugänglicher. Warum auch nicht? Jeder wie er will.

Aber auch Prostitution ist nicht mehr so ein Tabu und viele junge Frauen erkennen von selbst! eine Einnahmequelle. (Ich glaube ja persönlich, dass auch das "sich Drinks ausgeben lassen" auch eine Form der Prostitution ist.... Mann bezahlt für vielleicht Sex manchesmal mehr als wenn er zu einer profesionellen ginge...).
Für eine viele Männer wäre es wahrscheinlich kein Problem sich für Sex bezahlen zu lassen... Emanzipation eben!

Es ist aber auf keinen Fall normaler das devote frauen sich für ihren Herrn prostituieren. Dies mag es geben, ist aber sicher eine Minderheit und vor allem keine regelmässigkeit. Einmal vielleicht zum Ausprobieren, aber da stecken sicherlich andere Sachen dahinter (Unterdrückung die NICHTS mit devot sein zu tun hat!)

Ich persönlcih finde es zumindest sehr gut, dass Frauen endlich wieder zu ihren Wünschen stehen! War ja auch schon wieder mal Zeit... wollen wir hoffen, dass es so bleibt und der neue puritanische Trend aus den USA nicht wieder zu uns kommt.

P.S.: Im Laufe der Geschichte gab es sehr viele Emanzipationen der Frauen, und man mag es kaum glauben aber zB die Ägypter, Römer,Griechen,... gingen viel offener mit Sexualität um als wir heute! Selbst in den 20er Jahren dieses Jahrhunderts waren Schwulen und Lesbenclubs normal!
Félin (Gast) - 9. Okt, 02:32

Aus Liebe machen Frauen vieles...

...und manche Männer nutzen die Möglichkeiten, die ihnen im SM-Bereich gegeben sind gerne aus.
Ich gebe zu: von der Phantasie her finde ich den Gedanken reizvoll, dass Herr einen zu so etwas zwingen kann. Aber das ist eine der Sachen, die Phantasie bleiben und ich niemals real erfahren möchte.
Die Frauen, die das machen, obwohl sie es eher unangenehm finden, sind entweder blind vor Liebe, haben keinerlei Selbstbewusstsein oder verwechseln Devot-sein damit, das Gehirn abzugeben...

Paramantus (Gast) - 9. Okt, 02:33

Tja...

Heutzutage wird oft von der sog. YouTube-Generation gesprochen. Viel richtiger wäre da wohl eher die YouPorn-Generation.
Dennoch denke ich, dass der Schein ein wenig trügt. Viele erzählen ausgeschmückter und offener von ihrem Sexleben als es vlt. früher der Fall war. Und natürlich spielt auch der Zufall eine Rolle, in dem Sinne, auf wen man so alles in seinem Leben trifft. Es gibt sicher Leute, die könnten deine Frage hier absolut nicht nachvollziehen...

Paradigm Pirate (Gast) - 9. Okt, 03:10

Ich denke das mit der Youporn Generation ist gar nicht so falsch. Das Problem dürfte gar nicht die Übersättigung an sich sein, sondern eher das daraus entstehende Bild in den Köpfen der jungen Menschen. Als 27-jähriger Mann, der (zu)viel Zeit im Netz verbringt gewinne ich jedenfalls den Eindruck, dass die Leute die Unmengen an 'pron' einfach zu oft für bare Münze nehmen.

Man siehe:
http://blog.zeit.de/sex/?p=533
oder
http://blog.zeit.de/sex/?p=610

Marco (Gast) - 9. Okt, 05:54

Letztendlich ist auch das was man in den Medien liest immer sensationeller geworden. Das liegt aber weniger daran dass mehr passiert als früher sondern daran dass das Niveau immer öfter heulend untem Tisch statt im Konzept zu finden ist.

"Extravagante" Praktiken mögen öfter vorkommen als früher, sind aber beileibe immer noch nicht die Regel. In manchen Subkulturen (die mit den tiefsitzenden Hosen und dem Sprachdefizit) scheint es aber deutlich üblicher zu sein als im Rest der Gesellschaft.

Ich könnte in meinem Freundeskreis zumindest niemanden benennen der exotischeres als Bondage oder AV betreiben würde und konservativ sind wir eigentlich nicht^^

Aretin (Gast) - 9. Okt, 06:21

Ein anderer Ansatz wäre, daß es heute einfach mehr publik gemacht wird, da es durch die starke Präsenz in den Medien den Tabu-Status verloren hat.

Was früher nur hinter verschlossenen Türen stattgefunden hat, wird heute in lockerer Runde ausgeplaudert und wahrscheinlich gern übertrieben, um "besonders" zu sein.
Christoph Wagner (Gast) - 9. Okt, 06:47

Tja, wenn sowas wie BDSM zu einer Modeerscheinung mutiert, muss man auch mit solchen Sachen rechnen...

Lena (Gast) - 9. Okt, 08:23

Einspruch!

...also, ich denke das Problem liegt nicht bei BDSM an sich oder seiner Popularität. Ehrlich gesagt, de Leute die ich in der BDSM-Szene kenne, legen großen Wert darauf, Grenzen zu verhandeln und zu respektieren. Es ist mir echt schwer vorstellbar, dass z.B. von den Leuten von meinem ehemaligen Stammtisch jemand so eine Nummer abzieht.

Ich sehe das Problem eher darin, dass BDSM zwar gesellschaftstauglich genug ist, in Boulevardmagazinen thematisiert zu werden, aber nicht enttabuisiert genug ist, als dass mann und frau im Laufe ihres Lebens da eine sinnvolle Aufklärung zu dem Thema bekommt. Außer man sucht sie sich bewusst - aber das machen viele nicht, das ist ja langweilig, und man kann das doch auch ohne "Theorie".

Wie Félin schon sagt: Devot sein heißt nicht, das Hirn abgeben. BDSM heißt *nicht* zwangsläufig, dass man als Sub seinem Dom derart viel Macht über sich einräumen muss, dass der einen anschaffen schicken kann. Und wenn eine das gerne möchte, dann ist das okay, aber dann soll sie sich doch bitte bitte bitte einen Kerl raussuchen, der sich seiner Verantwortung für ihr Wohlbefinden bewusst ist. Und nicht jemanden, der meint, Meister sein heißt einfach, seinen Willen zu bekommen ohne Rücksicht auf Verluste.
Jennifer (Gast) - 9. Okt, 09:35

Ich kann meinen Vorschreibern nur zustimmen: sowas ist falsch verstandener BDSM. Weder safe, noch sane und ganz gewiss nicht consensual. Ich weiß nicht, was solche Frauen dazu treibt, alles mit sich machen zu lassen. Ich könnte mir aber gerade bei jüngeren Frauen/Mädchen vorstellen, daß sie durch Medien, Freunde ect. suggeriert bekommen, daß man jetzt "irgendwie BDSM sein muß" und dann an den Falschen geraten und noch alles mitmachen, um nur ja nicht uncool zu sein oder auch den "Freund" zu verlieren.

Es ist zwar einfacher geworden, gute Informationen zu BDSM zu finden und auch dort die richtigen Leute zu treffen (ich habe einen sehr guten SM-Anfänger Stammtisch in einer Stadtteilzeitschrift gefunden) - aber man muß halt immer noch danach suchen und seine eigenen Entscheidungen treffen. Nur RTL gucken und alles nachmachen, was einem so vorgesetzt wird, reicht nicht. Und daran hängt es im Moment ganz gewaltig, nicht nur im sexuellen Bereich.

jala (Gast) - 20. Dez, 16:17

BDSM ist keine Modeerscheinung

Du schreibst: "ich könnte mir aber gerade bei jüngeren Frauen/Mädchen vorstellen, daß sie durch Medien, Freunde ect. suggeriert bekommen, daß man jetzt "irgendwie BDSM sein muß" und dann an den Falschen geraten und noch alles mitmachen, um nur ja nicht uncool zu sein oder auch den "Freund" zu verlieren."

Warum unterstellst du hier pauschal jüngeren Frauen/Mädchen Naivität und dass gerade sie jeden Trend mitmachen wollen?
Ich lebe auch BDSM mit meinem Partner aus, aber würde mit Sicherheit nicht alles mitmachen und schon gar nicht auf den Strich gehen (was er auch niemals von mir verlangen würde). Diese Möchtegerndoms, die gegen den Willen der Sub handeln, haben nichts mit BDSM zu tun, sondern versuchen sich nur hinter diesem Namen zu verstecken!
BDSM ist keine Gewalt, sondern Liebe!

Und es ist in heutigerzeit nicht mehr wirklich schwer gute und richtige Informationen zu den Thema zu finden!
Magnus (Gast) - 9. Okt, 09:48

..

Ja, der Eindruck ist falsch.

Wortteufel (Gast) - 9. Okt, 10:31

Nicht schön

Ich finde generell die extreme Sexualisierung in der Öffentlichkeit nicht in Ordnung.

Die Menschen sind "übersext", die Stimulanz muss immer stärker werden, um noch als toll empfunden zu werden. Ganz früher galt ein weiblicher Knöchel, der unter einem langen Rock hervorlugte, als Stimulanz, um den Männern die Köpfe (und sonst was ;) ) zu verdrehen. Heute braucht es da mehr.

Kinder werden um 15 Uhr mit Brüsten und Geschlechtsverkehr im TV konfrontiert, drehen Videos von sexuellen Belästigungen mit dem Handy und stellen es bei diversen Plattformen ein.

Sex ist immer weniger eine Sache der Intimität, sondern eine der Öffentlichkeit, nichts mehr zwischen zwei Menschen (oder auch mehr), sondern eine Sache für Zuschauer, ein Statussymbol und auch Ausdruck der Verrohung und Langeweile.

Ich möchte mir nicht ausmalen, wohin das in zehn Jahren führen kann.

Elenaor (Gast) - 9. Okt, 10:39

Schön, dass du wieder etwas von dir hören lässt.

Ich glaube, in gewissen Kreisen kann man nicht mehr wirklich unterscheiden zwischen Realität und Porno. Die werden - wie auch in der oben verlinkten Sternreihe angesprochen - mit Pornos groß gezogen, lernen von ihren Eltern, dass man ständig wilden Sex haben sollte und machen das irgendwann nach, weil sie meinen, das wäre normal.

Und grad bei den Mädchen, denke ich, liegt es daran, dass sie in der Pubertät schwach und beeinflussbar sind. Das bringt die Pubertät so nun mal mit sich, man zweifelt ansich und lässt sich leicht dazu verleiten, sich an einen Freund zu klammern.

Diese unheilvolle Kombination führt dann wohl zu den oben geschilderten "Zuständen"...

Erzangie - 9. Okt, 12:03

Was mich von Anfang an am meisten an der Stern- und RTL-Berichterstattung geärgert hat, ist dass der Eindurck entsteht "unsere" gesamte Jugend wäre so wie dargestellt. In den Berichten wurden Extrem-Stadtteile rund um die Arche in Berlin gezeigt, und ich glaube schon, dass solche Kinder in Problembezirken tatsächlich so groß werden, aber ich wage zu bezweifeln, dass dies bei durchschnittlichen Familien der Fall ist. Ich selbst lebe in einer Stadt mit 65.000 Einwohnern in direktem Einzugsgebiet von Düsseldorf und Köln, und habe zudem Teenager-Kinder. Die Kids, die ich erlebe, haben ein ganz normales Verhältnis zu Sexualtität und zum andern Geschlecht (klar ist das in der Pubertät ein Thema, war bei uns doch genauso). Gangbang und Sex mit zehn Jahren ist NICHT normal. Aber leider entsteht der Eindruck, wenn ein und der selbe Bericht in verschiedenen Medien und in verschiedenen Sendungen immer mehr verhackstückelt wird.

Was BDSM betrifft: Chacun a son gout, wie der alte Franzose sagt. Nix für meinen Geschmack, aber wer´s mag...
Marc (Gast) - 10. Okt, 18:33

Eleanor schreibt:
"Ich glaube, in gewissen Kreisen kann man nicht mehr wirklich unterscheiden zwischen Realität und Porno. Die werden - wie auch in der oben verlinkten Sternreihe angesprochen - mit Pornos groß gezogen, lernen von ihren Eltern, dass man ständig wilden Sex haben sollte und machen das irgendwann nach, weil sie meinen, das wäre normal."

Was ist das Problem damit, wenn Kinder denken, das sei normal und das dann irgendwann nachmachen? was spricht dagegen, so lange sie es safe machen?

So etwas als "abnormal" zu bezeichnen, ist ein gruseliges und inzwischen gottseidank überkommenes Bild der Sexualität in unserer Gesellschaft. da danke ich doch den 68'ern, dass sie das aufgebrochen haben...
Unschuldsengel (Gast) - 9. Okt, 15:11

Kann mich den anderen nur anschließen. Die Leute gehen anders mit ihrer Sexualität um als früher. Die Medien zeigen Extrembeispiele von Mädchen die mit 8 ihr erstes mal hatten und Leuten die bei "SM-Spielchen" ernsthaft verletzt wurden.
Auch wenn es manchmal so dargestellt wird, normal ist das sicherlich nicht.

Wer als Sub sein Hirn abgibt,seinem Top keinerlei Wiederstand leistet und alles mit sich machen lässt ist irgendwie selbst Schuld und hat einige grundlegende Sachen nicht verstanden...
BDSM würde mir so überhaupt keinen Spaß machen. Jemanden zu unterdrücken, der keinerlei Wiederstand leistet ist doch keine Herausforderung, Spaßfaktor wahrscheinlich nicht merklich über null...
Vor allem, was haben die Damen denn davon? BDSM soll doch allen Beteiligten Spaß machen.


Ich gehöre nun auch zu den Menschen, die recht offen mit ihrer Sexualität umgehen und ich habe kein Problem damit, darüber zu reden. Aber wenn es einem meiner Jungs einfallen würde, Videos oder Fotos von mir/uns ins Netz zu stellen, dann würde es wahrscheinlich Tote geben.
Denn vollkommen egal, was die anderen machen oder als normal ansehen, meine Sexualität hat die anderen nur soweit zu interessieren, wie ich ihnen darüber berichten möchte.

Mal schauen wie das alles in 10 Jahren aussieht, dürfte noch lustig werden ^^

Mela (Gast) - 9. Okt, 15:59

BDSM und so

Als ich mich begonnen habe für das Thema SM zu interessiern, war das noch pfui bäh und es ist kaum zu glauben dass das grade mal so 13-15 Jahre her ist.

Damals gab es das Buch von Sina-Aline Geissler und ich hatte noch einen angemessen roten Kopf als ich es ausgeliehen habe. Über das Internet hab ich Gleichgesinnte gefunden und damals gab es auch noch Probleme mit der Einordnung von SM durch Medizin/Psychiatrie und Gesetzgeber bzw. Rechtsprechung.

Das seitdem das Leben für Sadomasochisten viel leichter geworden ist - unter anderem auch durch das Buch von Kathrin Passig und Ira Strübel - ist gut. Es ist leichter geworden Gleichgesinnte zu finden, selbst ohne Chiffre und geheimen Handschlag. Es ist 'normaler' geworden. Niemand braucht sich mehr krank zu fühlen.

Doch was auch damals schon der Fall war, immer noch der Fall ist und vermutlich immer der Fall sein wird. Menschen mit tatsächlich krankhaften Neigungen, Menschen die ihren Kontrollzwang und ihre Allmachtsphantasien oder ihren Frauenhass mit SM verwechseln, wird es immer geben.

Das sind keine Sadomasochisten, doch für unerfahrene Partner ist der Unterschied nicht immer zu erkennen.

Nicht umsonst heisst der Grundsatz von SM:

Safe, Sane & Consensual.

Sicher, mit klarem Vertand & in gemeinsamem Einverständnis.

Was du beschreibst Melanie, klingt für mich weder Safe (hat der 'Meister' die Situation immer unter Kontrolle wenn die Mädchen anschaffen gehen? Nein, vermutlich nicht.), Sane (offensichtlich haben die Subs ein Problem damit und können es nicht erotisieren. Also ist es falsch, falsch, falsch.) und auch nur marginal Consensual. (Sie haben eingewilligt, aber so richtig gehört es ja scheinbar nicht zu ihrem eigenen Kopfkino).

Man kann den Mädchen nur raten sich eine SM-Gruppe zu suchen in der sie mal ihre Realität mit dem abgleichen wie es sein sollte.

Zur Lektüre kann man ihnen folgenden Text ans Herz legen:
http://www.datenschlag.org/txt/destruct.html

Bzw. die gesamte Seite Datenschlag.

Wenn du eine Frau mit derartigem Problem triffst, kannst du die Infos ja weitergeben, Streetgirl. Wäre klasse.

la-mamma - 9. Okt, 17:22

ich glaub nicht, dass sich

so viel grundlegendes geändert hat - bei den leuten, die ich so im laufe meines langen, promiskuitiven "normalleben" getroffen habe, war SM immer eher ein minderheitenprogramm - sagen wir so 3 auf 50 - und bei den jugendlichen - soweit ich das jetzt über die kinder wieder mitkriege - geht manches durchaus auch wieder "langsamer" ...
also - eher halb so wild - wobei ich die diskussion hier oben von erfreulich hohem niveau finde! liegt durchaus auch an der sympathischen blogbetreiberin, die wir da haben ...

SØ (Gast) - 9. Okt, 17:38

Fühlen und Reden

Dein Eindruck mag trügen, vielleicht aber auch nicht. Bestätigen kann ich, dass man von solchen Dinge heutzutage mehr hört als früher.
Frauen, die anschaffen gehen, weil sie in einen Typen verknallt sind, der ihnen ein Gefühl von Wertigkeit gibt, hat es immer gegeben und wird es immer geben. Früher hatte man dafür nicht so richtige Vokabeln, heutzutage heißt das halt "Master" und "Sub".
Fast schon erwartungsgemäß haben viele KommentatorInnen hier die Medien als üblichen Universalschuldigen ausgemacht und sich entsprechend darauf eingeschossen.
So einfach ist die Sache aber ganz bestimmt nicht. Als Hauptursache würde ich zunächst zwei Phänomene sehen: Zum einen sind viele Menschen nicht in der Lage sich selbst richtig zu spüren und zum anderen wird viel zu wenig miteinander gesprochen.

Bei Vergleich der Gesellschaft von heute mit der vor 50 Jahren, so ist eine Werte-Wandlung nicht zu übersehen. Heutzutage gilt das Idealbild des Individuums deren Lebenserfolg sich in der Höhe seines Bankkontos ausdrückt. Familie, Vereine, humanistische Bildung, Solidarität und Mitgefühl sind Luxus geworden, den man sich leisten kann, aber vor allem auch mal leisten können muss.
Es gibt heutzutage ein wachsende Gruppe von Menschen, die eben kein großes Einkommen haben und sich diesen vermeintlichen Luxus nicht mehr leisten wollen oder können und die Sinn dieser Werte auch nicht mehr an spätere Generationen weitervermitteln.

Es entwickeln sich nun egoistische, auf Geld fixierte Individuen, die als selbstverantwortlich tituliert allein zu Hause sind und niemanden haben mit dem sie wirklich austauschen können. Angesicht der sie umgebenden Gefühlskälte können sie dabei noch nicht einmal richtig "spüren" was sie oder wie wertvoll sie eigentlich sind. Sie sind einfach kollektiv einsam und sprachlos. Die Attraktivität des Internets für diese Gruppe überrascht daher nicht.
Das Internet allerdings ist auch ein Tummelplatz für all die gesellschaftlichen Strömungen, Gruppen und Inhalte, die im "Real Life" nicht adäquat kommunizieren können oder gar geächtet sind. Das ist nicht ungewöhnlich, schließlich haben gerade diese Inhalte zum Boom beigetragen, genauso wie sich einst das VHS System gegen die technisch überlegenen Systeme wie Beta oder Video2000 durchsetzen konnte, nur weil es auf diesem System Pornos gab.

Es kommt also zum Aufeinandertreffen von einsamen Menschen ohne Selbstwertgefühl und Inhalten mit sexuellen Devianzen (oder Spielarten) aller Art. Zusätzlich ist die Medienkompetenz oftmals recht gering ausgeprägt. Wer seine Informationen unreflektiert aus dem Boulevardjournalismus á la "Bild" oder "Hürriyet" bezieht, ist mit dem Internet und dessen Falsch- und Fehlinformationen schnell überfordert. Im schlechtesten werden Fall werden beobachtete Praktiken irgendwie übernommen, ohne die Begleitumstände, wie sie hier für den Bereich SM schon von anderen KommentatorInnen angeführt wurden, zu kapieren oder umzusetzen. Erst hier wird das Verhalten derart befremdlich bzw. öffentlich, dass es von anderen Teilen der Gesellschaft wahrgenommen wird und schnell die Schuld auf die Medien geschoben wird (s.o.).

Zusammenfassend kann man also sagen, dass es zur Zeit mehr Leute mit dem Potential zur wie von Dir beschriebenen "verkorksten" Sexualität gibt als es sie vor vielleicht 20 oder 30 Jahren gegeben hat. Gleichzeitig haben diese Leute die Möglichkeit, sich durch Medien wie DVD oder Internet "Anregungen" zu holen, die damals sehr viel schwieriger zur besorgen waren und vor allem auch stärker "begleitet" wurden. Eine "Säuberung" der modernen Medien von solchen Inhalten würde vielleicht die realen Auswirkungen kurzfristig mindern, jedoch nichts an der Situation ändern, und bei Einführung eines neues Mediums sofort wieder von vorne losgehen.

Fühlen, mitfühlen und miteinander reden heißen die Lösungen, aber dafür haben die Leute im Moment leider meist zu wenig Zeit und zuwenig Geld.

x (Gast) - 9. Okt, 18:06

Keine Ahnung. Habe und will auch keine Freundin wegen der Kosten-Nutzen-Rechnung. Einmal monatlich für 30 € zu ner Professionellen is billiger als wie ner Frau lebenslang Essen, Wohnung, Schmuck und Schuhe zu finanzieren.. Meine Beobachtung ist, dass immer mehr Männer das so sehen.. nachher kriegt man auch noch Kinder untergeschoben oder muss nach ner Scheidung Unterhaltungskosten zahlen ^^

Katarina (Gast) - 9. Okt, 18:32

mein Beileid...

an anonym, wobei ich mich schon frage in welchem Land er lebt? Irgendwo in nahen Osten? Hier gibts ja nicht wirklich Frauen die man finanzieren müssten... :D
Nein aber mal ernsthaft, ein ziemlich erschreckendes Weltbild.
Was aber nun die eigentliche Frage betrifft: als ich das Internet entdeckte war ich schon Mitte/Ende 20, aber wenn ich 10 Jahre früher rausgefunden hätte, dass es eine Menge Menschen mit ähnlichen Phantasien gibt, weiss ich nicht ob ich nicht anders reagiert hätte. Besonders weil mir beim BDSM am meisten das Spiel mit der Demütigung gefällt, und das dürfte ja genau das sein worauf diese Situation des "anschaffen schickens" abzielt. Läuft bei mir unter antörnende Phantasie, aber ich bin mir nicht sicher ob ich nicht auch in eine Situation hätte kommen können, wo ich nicht rechtzeitig Stop sage. Besonders wenn ich früher - und unreifer- mit derartigen Spielchen angefangen hätte.
Janina (Gast) - 10. Okt, 07:32

Ich führe das durchaus auf die einfache Erreichbarkeit von Pornos jeder "Stärke" im Internet für Kinder jeden Alters zurück.
Ich habe selber immer wieder gerne davon profitiert, weil mich gerade devote Phantasien anregen, aber ich möchte nicht wissen, was der Effekt ist, wenn das (nicht nur?) sexuelle Rollenverhalten beider Geschlechter hauptsächlich durch so etwas geprägt wird. Da ist mein Problem weniger die jeweilige Handlung, sondern die überwiegende Haltung der Gespräche à la "Gibs der dreckigen Fotze", die durchaus anregend sein können ("Dirty Talk"), aber kein Geschlechterverhältnis wiedergeben, das einen 14-jährigen Jungen oder ein 14-jähriges Mädchen zu "consensual" Verhalten führt, egal ob in Missionarsstellung oder bei BDSM.
Und ich entnehme Gesprächen von Jugendlichen in Bus und Bahn, Film, Funk ind Fernsehen, daß das das Hauptmedium zur "Aufklärung" ist, noch vor Bravos Dr. Sommer, der im Vergleich als emazipatorisch angesehen werden muß... *Schluck*

Mietz (Gast) - 10. Okt, 09:31

Hallo Melanie,

Ich finde, dass es auch im Sexualleben nach einem allübergreifendem Grundsatz gehen sollte: "Tu was du willst, solange es keinem schadet."

Wenn dabei das Wohlbefinden einer Person gegen deren Willen angegriffen wird, empfinde ich das als mangelnden Respekt. Und sowas kann ich nicht als Freund oder Partner ansehen. Es ist etwas anderes, wenn alle Beteiligten einverstanden sind.

Gruß Mietz

ich... (Gast) - 10. Okt, 17:19

ja das internet...

Hallo,

jetzt muss ich hier auch mal meine Meinung sagen ;-)

Generell stimme ich dir da schon zu. Ich denke das ganze liegt auch irgendwie am Umgang der Medien (speziell Internet, Fernsehen usw) mit diesen Themen. Vor einigen Jahren war es noch so, dass man als Junge in der Pubertät nicht soooo einfach an Zeugs rankam. Im Fernsehen hielt man sich zurück, Zeitschriften traute man sich ned zu kaufen und Internet war über Modem, langsam und teuer.
In den letzten paar Jahren hat sich das stark gewandelt. Im Fernsehen gibts jetzt mittags schon titten ;-) auf den Handys werden bildchen^^ getauscht und im Internet gibt es auf vielen Seiten alleine schon pornwerbung, dazu auch noch die angebote von youporn, redtube usw.
Was in den Pornos vorgemacht wird fasziniert viele Jungs/Männer. Dadurch dass schon teils Grundschulkinder (sic!!), Jugendliche usw. diese Videos sehen so stellen die sich diese ganze sache schonmal anders vor als sie eigentlich sein sollte und werden später dann auch mal anders im bett vorgehen.
Im Internet gibts alles. Schnell, billig und wann immer und wer immer auch was sehen will.

james (Gast) - 21. Okt, 08:24

ich denke die freie Verfügbarkeit jeglichen Materials für alle Altersstufen ist ein großer Vorteil. Früher war das bis 18 bäh, und dann wurde es plötzlich gefordert, aber bitte nur sittenstreng und misionarisch!

Heutzutage hat jeder die Chance anzufangen wann er will. Und das ist nicht erst mit 16-18, was meint ihr, warum in alten Kulturen die Mädchen teilweise schon mit 8 angefangen haben? Sexualität auf ab 18 zu beschränken ist seit der kirchliche Aspekt (der Sexualitätstöter schlechthin) weggefallen ist wohl eher um etwas gegen Ausnutzung schutzbefohlener zu tun. Da man das nicht so recht kontrollieren kann, hat man halt gesagt: ganz oder gar nicht, unter 18 gar nicht. So schwarz weiß ist es aber natürlich nicht

melanie_83 - 21. Okt, 11:35

Die Mädchen haben auch damals sicherlich nicht von sich aus mit 8 angefangen.

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